Was ein Auftrittsort kostet, hängt weniger vom Raum ab als vom Modell, nach dem er vergeben wird. Dieselbe Kirche kann gegen Kollekte, gegen Kostenbeteiligung oder gegen feste Miete zu haben sein, je nachdem, wer als Veranstalter auftritt. Dieser Artikel erklärt die fünf Modelle, die Chören, Orchestern und Musikvereinen in der Praxis begegnen, nennt Erfahrungswerte und listet die Nebenkosten auf, die in der Kalkulation oft fehlen. Alle Beträge sind Erfahrungswerte aus der Reiseorganisation für Ensembles, je nach Land, Region und Haus unterschiedlich.
Die fünf Modelle
| Modell | Typische Orte | Was das Ensemble zahlt | Wer Veranstalter ist |
|---|---|---|---|
| Kollekte | Kirchen, Kapellen, Klosterkirchen | Nichts. Die Kollekte geht ganz oder anteilig an das Ensemble oder an die Gemeinde | Meist die Gemeinde |
| Kostenbeteiligung | Kirchen mit Konzertbetrieb, Gemeindehäuser | Pauschale für Heizung, Küster, Reinigung, als Erfahrungswert ein zweistelliger bis niedriger dreistelliger Betrag | Gemeinde oder Ensemble |
| Einnahmenteilung | Konzertreihen, Kulturvereine, kleine Säle | Nichts vorab. Eintritt wird nach Schlüssel geteilt, etwa 70 zu 30 oder 50 zu 50 nach Abzug der Kosten | Der Betreiber der Reihe |
| Aufwandsentschädigung | Kurkonzerte, Stadtfeste, Marktbühnen, Gottesdienste | Nichts. Das Ensemble bekommt oft selbst etwas: Bewirtung, Fahrtkosten, einen Betrag | Kurverwaltung, Kommune, Gemeinde |
| Saalmiete | Konzertsäle, Stadthallen, Aulen, Bürgerhäuser | Miete plus Technik, Personal, Reinigung, oft eine Kaution; von einem niedrigen dreistelligen Betrag für eine Aula bis vierstellig für einen Konzertsaal | Das Ensemble |
Kollekte: das häufigste Modell in Kirchen
Bei einem Konzert auf Kollekte stellt die Gemeinde den Raum und lädt ein, am Ausgang wird gesammelt. Der Erlös geht je nach Absprache ganz an das Ensemble, ganz an die Gemeinde oder wird geteilt. Für ein Ensemble auf Reise ist das der günstigste Weg zu einem vollen Raum, weil die Gemeinde ihr eigenes Publikum mitbringt. Als Erfahrungswert kommen bei einem gut besuchten Konzert in einer Stadtkirche ein mittlerer bis hoher dreistelliger Betrag zusammen, in einer Dorfkirche weniger. Wer mit Kollekte rechnet, sollte sie nicht in die Reisekalkulation einplanen, sondern als Zugabe behandeln.
Kostenbeteiligung: wenn die Gemeinde Ausgaben hat
Kirchen mit regelmäßigem Konzertbetrieb verlangen häufig eine Pauschale für das, was ein Konzert die Gemeinde kostet: Heizung im Winter, den Küster für Auf- und Abschluss, die Reinigung. Das ist keine Miete und wird meist auch nicht so genannt. Fragt vor der Zusage, ob eine Beteiligung erwartet wird, und ob sie mit der Kollekte verrechnet werden kann. Was bei Kirchen sonst noch zu klären ist, steht im Artikel Die Kirche als Konzertort.
Einnahmenteilung: die Konzertreihe als Partner
Konzertreihen und Kulturvereine nehmen ein Gastensemble in ihr Programm auf, verkaufen Karten und teilen die Einnahmen nach einem Schlüssel. Der Veranstalter trägt Werbung, Kartenverkauf und meist auch die GEMA-Meldung. Für das Ensemble ist das Risiko klein und der Aufwand gering, dafür ist die Auswahl streng: Reihen nehmen, was ins Programm passt, und planen ein Jahr im Voraus.
Aufwandsentschädigung: wenn der Ort das Ensemble bezahlt
Kurverwaltungen, Stadtfeste, Weihnachtsmärkte und Gemeinden mit Gottesdienst-Mitgestaltung brauchen Musik und stellen Bühne, Publikum und Rahmen. Das Ensemble zahlt nichts und bekommt in vielen Fällen Bewirtung, Fahrtkosten oder eine kleine Entschädigung. Für die Konzertreise ist das der ideale zweite oder dritte Auftritt neben dem Hauptkonzert, mit kurzem Programm und planbarem Publikum.
Saalmiete: der teure Weg mit voller Kontrolle
Ein gemieteter Saal gehört für den Abend euch: Programm, Eintritt, Ablauf, alles in eurer Hand. Dafür tragt ihr alles: Miete, Technik, Personal, Reinigung, Werbung, GEMA, und das Risiko, dass niemand kommt. Als Erfahrungswert kostet eine Schulaula einen niedrigen dreistelligen Betrag, ein Bürgerhaus mit Technik einen mittleren, ein Konzertsaal vierstellig. Für ein Ensemble aus einer anderen Region ohne eigenes Publikum vor Ort ist das fast immer das falsche Modell.
Die Nebenkosten, die in der Kalkulation fehlen
- GEMA oder die Verwertungsgesellschaft des Gastlandes: zahlt der Veranstalter. Seid ihr das selbst, rechnet je nach Programm und Saalgröße mit einem zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Betrag je Konzert.
- Klavierstimmung: Wer den Flügel des Hauses nutzt, zahlt oft die Stimmung vor dem Konzert.
- Technik und Personal: Licht, Verstärkung, Bühnenhelfer und Einlass werden bei Sälen einzeln berechnet.
- Werbung: Plakate, Handzettel, Anzeigen. Bei Kirchen und Reihen übernimmt das der Gastgeber, bei Saalmiete ihr.
- Versicherung und Auflagen: Haftpflicht für die Veranstaltung, bei größeren Sälen Sicherheitsdienst und Sanitäter nach Versammlungsstättenrecht.
Welches Modell für welches Ensemble
Ensembles auf Reise ohne eigenes Publikum vor Ort fahren mit Kollekte, Aufwandsentschädigung und gemeinsamen Konzerten mit einem Partnerensemble am besten. Ensembles mit großem Namen oder eigener Reichweite können Einnahmenteilung oder Saalmiete rechnen. Für alle gilt: Erst den Ort und sein Modell kennen, dann die Reise kalkulieren. Welche Orte auf einer Konzertreise in Frage kommen und was sie üblicherweise kosten, steht auf der Seite Konzertreise planen.
Kostenmodell erfragen mit Concertbase
Bei jedem Vorschlag nennen wir das Kostenmodell, soweit es uns bekannt ist, und schreiben dazu, was wir nicht wissen. Beschreibt euer Vorhaben über das Kontaktformular, wir melden uns in der Regel innerhalb von zwei Werktagen.